Klimaanalyse des Deutschen Wetterdienstes, Wetteramt München
Auszug aus dem Klimagutachten für Scheidegg im Allgäu

Die Bayerischen Alpen liegen im Übergangsbereich zwischen maritim beeinflußtem Klima, das sich durch milde Winter, kühlere Sommer sowie stets relativ hohe Feuchte auszeichnet, und dem kontinentalen Klimatyp, der sich durch kalte Winter und warme Sommer sowie geringere Luftfeuchtigkeit charakterisieren lässt. Dabei überwiegt im Bereich der Allgäuer Alpen der gemäßigte kontinentale Typ.

Termperaturverhältnisse

Das Temperaturmilieu in Scheidegg und seiner höher gelegenen Umgebung ist gemäßigter, als es die Seehöhe erwarten lässt. Die Monatsmittel der Lufttemperatur sind bis zu 2 °C höher, als aufgrund der Höhenlage zu vermuten wäre. Dies und vergleichbare Werte aus der näheren Umgebung von Scheidegg sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass zumindest die höheren Bereiche des Marktes Scheidegg relativ häufig über der Inversionsobergrenze liegen, welche sich über dem Bodensee und den angrenzenden niedrigeren Gebieten bevorzugt in der kälteren Jahreshälfte mit oftmals großer Beständigkeit ausbildet.

Im Jahresgang sind die täglichen Temperaturschwankungen im Sommerhalbjahr höher als im Winterhalbjahr. Dies ist insofern von Bedeutung, als größere Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht in der warmen Jahreszeit darauf schließen lassen, dass im Falle höherer Temperaturmaxima die nächtliche Abkühlung in der Regel stark genug ist, einen erholsamen Schlaf nach sehr warmen Tagen zu fördern.

Da die Tagesmaxima aufgrund der Bergkuppenlage niedriger bleiben, als es bei einer Tallage in vergleichbarer Höhe der Fall wäre, ist die jährliche Anzahl von 37 Eistagen, verglichen mit anderen exponierten Lagen im Allgäu, ein recht hohes Resultat. Es dürfte besonders für Wintersportfreunde von Interesse sein.

Ebenso wie die Bergkuppenlage auf die Höhe der Mitteltemperaturen macht sich der Einfluss der Höhe in Bezug auf die Wärmebelastung eindeutig positiv bemerkbar. In Scheidegg ist durchschnittlich mit 13 wärmebelastenden („schwülen“) Tagen zu rechnen, ein Wert, der weit unter dem festgesetzten Grenzwert von 25 Tagen pro Jahr zur Anerkennung als Heilklimatischer Kurort bleibt.

Sonnenschein - Niederschlag

Die mittlere Anzahl von jährlich 1.688 Stunden Sonnenschein erfüllt voll die festgesetzte Anzahl von mindestens 1.500 Stunden.

Aufschlussreicher als die Niederschlagssummen sind für den Kurgast die Anzahl der Tage, an denen messbarer Niederschlag (0,1 mm oder mehr) fällt. Hier erreicht Scheidegg mit 168 Tagen pro Jahr im Vergleich mit anderen Orten im Bereich der Bayerischen Alpen einen recht günstigen Wert.

Windverhältnisse

Die Vielgestaltigkeit des gesamten Marktbereiches mit seiner Lage inmitten einer Wiesen- und Waldlandschaft mit mittelgebirgsähnlichem Charakter gestattet eine Dosierung von thermischen Klimareizen, die von „schonend“ in den Tallagen vorwiegend in den Sommermonaten über „reizschwach“ und „reizmild“ in mittleren Lagen bis hin zu „reizmäßig“ in den höheren, windexponierten Lagen vor allem im Winterhalbjahr reicht. Auf den Höhen muss im Winter bei entsprechender Witterung (tiefe Temperaturen und höhere Windgeschwindigkeit) auch mit Abkühlungsgrößen gerechnet werden, die bis in den Bereich „reizstark“ reichen.

Föhnhäufigkeit

In Scheidegg ist der Föhn aufgrund des Fehlens geeigneter Geländeverhältnisse von geringer Bedeutung.

Luftreinheitsverhältnisse

In der Zeit vom 27.04.1973 bis 22.03.1974* lief in Scheidegg ein Messprogramm zur Feststellung der Luftreinheit. An allen drei Messpunkten wurde der für Kurgebiete nach den „Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen“ festgesetzte Grenzwert deutlich unterschritten. Die Verstaubung ist überwiegend gering oder sogar kaum merklich. Zusammenfassend darf festgestellt werden, dass die Luftreinheitsverhältnisse in Scheidegg sehr gut sind. Die ermittelten Werte sind deutlich besser, als nach den „Begriffsbestimmungen“ gefondert wird. Vom Aerosolstandpunkt wird deshalb eine Prädikatisierung ausdrücklich befürwortet.

Emmissionssituation

Eine Ortsbesichtigung in Scheidegg ergab keine Anhaltspunkte für eine gravierende Beeinträchtigung der lufthygienischen Verhältnisse durch Emissionen ortsansässiger Industrie- und Gewerbegebiete. Dies gilt auch für das am Nordostrand des Marktes neu entstandene Gewerbegebiet.

Schonfaktoren

Aufgrund der Höhenlage von Scheidegg ist mit keiner Beeinträchtigung der Erholungsmöglichkeit durch hohe Temperaturen zu rechnen. Die thermische Belastung liegt deutlich unter dem festgesetzten Grenzwert.

Die für eine Höhe von ca. 800 m sehr gemäßigten Mitteltemperaturen lassen den Schluss zu, dass sich bei ruhiger Hochdruckwetterlage zumindest die höheren Lagen häufig über der Bodeninversionslage befinden, die dadurch in den Genuss sauberer und klarer Luft kommen. Dies ist ein Grund für die in Scheidegg – bis auf die unmittelbare Nachbarschaft der Bundesstraße 308 – guten Luftreinheitsverhältnisse.

Reizfaktoren

Praktisch ganzjährig kann ein voll ausreichendes Angebot an Sonnenstrahlung genutzt werden. In den Herbst- und Wintermonaten sind heitere Tage infolge des Maximums an Föhnlagen häufiger als außerhalb von Föhngebieten üblich.

Die Abkühlungsgrößen liegen in einem Bereich, nach dem das Klima als „schonend“ bis „reizmild“ einzustufen ist. Die mittelgebirgsähnliche Landschaft gestattet eine Dosierung der Klimareize von „schonend“ in den niedrigeren Bereichen vorwiegend im Sommer bis hin zu „reizmäßig“ in den windexponierten Lagen besonders im Winterhalbjahr.

Belastende Faktoren

Der Grad der Nebelbelastung in Scheidegg ist kein ernsthafter Hinderungsgrund selbst bei einer höherwertigen Prädikatisierung des Marktes.

Vom Markt Scheidegg werden abseits der B 308 alle in den „Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen“ festgesetzten meteorologischen Grenzwerte zur Anerkennung als Heilklimatischer Kurort erfüllt. Eine Bestätigung als Luftkurort stehen somit keine ernsthaften Einwände entgegen. Eine höherwertige Prädikatisierung kann grundsätzlich befürwortet werden, da die lokalklimatischen Eigenschaften als besonders erholungsfördernd bezeichnet werden können ... Einwände aus meteorologischer und bioklimatischer Sicht gegen eine Anerkennung vom Markt Scheidegg als Heilklimatischer Kurort bestehen nicht.

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